In den letzten Jahren haben Starkniederschläge wiederholt schwere Überschwemmungen mit enormen Sachschäden an Grundstücken und Gebäuden verursacht. Diese Schadensereignisse führen immer wieder vor Augen, wie empfindlich Siedlungsgebiete gegenüber Sturzfluten sind.
Um künftige Schäden an Ihrem Eigentum zu vermeiden, können Sie vorsorgen. Die IKB möchte Sie darüber informieren, was unter dem Begriff Starkregen gemeint ist und was im Falle von Starkregen zu beachten ist. Außerdem geben wir Ihnen Informationen an die Hand, um sich rechtzeitig vorbereiten zu können.
Niederschlagsmengen werden meist in Millimeter (mm) oder Liter pro Quadratmeter (l/m²) angegeben, wobei ein Liter und ein Millimeter Regen pro m2 mengenmäßig ident sind.
Wenn nun über eine gewisse Zeitspanne große Niederschlagsmengen verzeichnet werden, spricht man von Starkregen. Eine allgemeine Definition für den Begriff Starkregen gibt es in der Wissenschaft jedoch nicht, da sich die Niederschlagsmengen je nach Klimazone unterscheiden. Die Tabelle 1 liefert jedoch eine gute Übersicht über verschiedener Definitionen, wann Starkregenschwellenwerte erreicht werden.
Zeitintervall | Kriterium nach Wussow | Kriterium nach Schimpf | Starkregen, DWD | Heftiger Starkregen, DWD |
---|---|---|---|---|
5 Minuten | 5 mm | 7,5 mm | 5,0 mm | -- |
10 Minuten | 7,1 mm | 9,1 mm | 7,1 mm | -- |
20 Minuten | 10 mm | 10,9 mm | 10,0 mm | -- |
30 Minuten | 12,2 mm | 12,2 mm | -- | -- |
1 Stunde | 17,1 mm | 14,7 mm | 17,1 mm | 25,0 mm |
2 Stunden | 24,0 mm | 17,8 mm | -- | -- |
6 Stunden | >42,4 mm | 24,0 mm | -- | 35,0 mm |
24 Stunden | 84,9 mm | 35,0 mm>/td> | -- | -- |
Tabelle 1: Übersicht von Starkregen-Schwellenwerten für Deutschland (1 mm = 1 l/m²); (Quelle: www.climate-service-center.de/products_and_publications/publications/detail/063152/index.php.de)
Starkregenereignisse treten oft räumlich begrenzt auf und sind daher schwer vorhersagbar. Aufgrund des Klimawandels und der steigenden Temperaturen wird dieses Wetterphänomen immer häufiger und intensiver. Solche Unwetter können entweder sehr kurz und heftig ausfallen oder viel Niederschlag über einen längeren Zeitraum loslassen. Der DWD definiert daher den Starkregen über eine gewisse Regenmenge in einem Zeitintervall von einer Stunde oder sechs Stunden (siehe Tabelle 1, oben). Starke Gewitterschauer von wenigen Minuten können ebenfalls in die Kategorie Starkregen fallen.
Starkregen ist ein punktuell niedergehender Regenschauer, der besonders stark ausfällt. Er fällt meist auskonvektiven Wolken, die durch feucht-warme Luft entstehen, die nur in einer schmalen Säule nach oben steigen konnte. Dieser Prozess verstärkt sich, wenn die Luft wärmer ist, da sie dann mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann: 7% pro Grad Celsius. Das ist auch der Grund, weshalb es eher im Sommer intensiven Niederschlag gibt. In den letzten Jahren haben Starkregenereignisse an Häufigkeit und Intensität stark zugenommen.
Die großen Niederschlagsmengen eines Starkregenereignisses können zu Überlastungen der Grundstücksentwässerungs-, Kanalisationssysteme und Gewässer führen. Zudem sammelt sich der Regen durch die zunehmende Versiegelung der Böden (z.B. Gebäude, Straße und asphaltierte Flächen) an der Oberfläche und kann nur an wenigen Stellen zur Versickerung gebracht werden.
Das gesammelte Niederschlagswasser kann auf verschiedene Wege in Gebäude und Grundstücke eindringen und Schäden verursachen. Das Niederschlagswasser kann oberirdisch vor allem durch Tür- oder Fensteröffnungen, Lichtschächte, undichte Rohrdurchführungen oder durch die Kanalisation ins Haus eintreten.
Darüber hinaus können Bäche ansteigen und über die Ufer treten.Starke Regenfällen können die Kanalisation überlasten und es kann zu wild abfließendem Oberflächenwasser kommen. Das bedeutet, es fällt so viel Regen in kurzer Zeit, sodass das Wasser nicht schnell genug versickern kann und erst gar nicht in die Kanalisation gelangt. Verschmutztes Wasser kann ungeklärt in Flüsse und Gewässer fließen und zu Überflutungen führen.
Regenwasser und Schlamm können große Schäden an Wohn- und Gewerbegebäuden und Infrastruktureinrichtungen hinterlassen. Hiervon können z. B. Autos, Möbel und Hausrat betroffen sein (insbesondere Waschmaschine und Trockner, die häufig im Keller stehen) und es kann zu Schäden an der Gebäudesubstanz kommen (z. B. Schimmel, Vernässung).
Hauseigentümer und Mieter sind häufig betroffen. Können die Wassermassen nicht sofort vom Untergrund aufgenommen, oder über natürliche Oberflächenwässer (Bäche, Teiche, Seen,…) zwischengespeichert oder abtransportiert werden, kann es in weiterer Folge zu einem Rückstau im Kanal und gegebenenfalls Überschwemmungen in Gebäuden kommen.
Um künftige Schäden an Ihrem Eigentum zu vermeiden, können Sie vorsorgen:
Auswirkungen | Schutz durch |
---|---|
| Bauliche Vorkehrungen wie Rampen, Schwellen, Schutzwände, druckdichte Fenster und Türen |
Mobile Vorkehrungen wie Sandsäcke und Dammbalken | |
Oberflächengestaltung (Sickerflächen, Retentionsbecken, Grünflächen, Topographie) | |
Kanalrückstau | Sicherung der rückstaugefährdeten Abläufe mittels Rückstauklappe und Hebeanlage |
Bodenplatte, Kellerwände | Bauwerksabdichtung |
Undichte Hauseinführungen (Strom, Gas, Wasser, Telefon, usw.) | Abdichtung der Durchführungen |
Tabelle 2: Gebäudeschutz vor Starkregen
Das Gebäude vor Schäden durch Hochwasser zu schützen, ist einfacher als gedacht. Zum einen gilt es, Niederschlagswasser durch funktionsfähige Versickerungssysteme schnell und dezentral dem Untergrund zuzuführen und nicht in die öffentliche Kanalisation zu leiten, da dies zu einer Überlastung des Kanalnetzes führen kann.
Mit kleinen Umbaumaßnahmen lässt sich zudem das Gebäude effektiv gegen eindringendes oberirdisches und unterirdisches Wasser schützen. Wasserdichte Kellerfenster, Schwellen an Kellerstiegen und Lichtschächten und einfache Rückstauverschlüsse im Hausanschlusskanal können das Gröbste verhindern. Wir sehen uns im Detail an, was Sie konkret tun können, um die jeweiligen Risiken zu minimieren.
Viele denken bei Wasserschäden durch starke Regenfälle vor allem an das Oberflächenwasser, das über Fenster und Türen in das Gebäude eindringt. Es handelt sich dabei um das Wasser, das nicht vom Boden oder Versickerungsanlagen aufgenommen werden kann und deshalb Straßen und Grundstücke überflutet.
Um das Wasser daran zu hindern, ins Haus zu gelangen, können Sie folgende Maßnahmen umsetzen:
Ein weiterer Weg, den das Wasser in das Gebäude finden kann, ist über den Kanal. Wird die Kanalisation von den Wassermassen überlastet, kann sich ein sogenannter Rückstau bilden. Dabei ist das öffentliche Kanalnetz zur Gänze gefüllt und dadurch fließt das Wasser über den Kanalhausanschluss zurück ins Gebäude. Das Wasser fließt also über Anschlüsse, die sich unter der Rückstauebene befinden (siehe rot strichlierte Linie in der Abbildung 1), zurück in den Keller.
Dagegen können bereits einfache Rückstauverschlüsse helfen. Sie sind durch Klappen ausgestattet, die sich nach außen hin öffnen können, um Abwasser abfließen zu lassen. Kommt allerdings Wasser von der Kanalseite zur Klappe, bleibt diese verschlossen.
Etwas aufwendiger, dadurch aber eben auch effektiver, sind Pumpen und Hebeanlagen mit Rückstauschleifen. Unter letzterem versteht man Hebeanlagen mit in Fließrichtung nachgeschalteten Rohrleitungen, welche in einem Bogen nach oben über die Rückstauebene verlaufen. Ist das Abwasser im Kanal bis zur Rückstauebene aufgestaut, kann es nicht über die Rückstauschleife bis zur Hebeanlage zurückfließen. Die Hebeanlage sorgt jedoch dafür, dass das im Haus anfallende Abwasser weiterhin gegen das angestaute Wasser aus dem Haus gepumpt werden kann. Es ist darauf zu achten, dass die Stromversorgung der Hebeanlagen und Pumpen gewährleistet ist sowie dass alle Abflussleitungen, welche Niederschlagswasser führen, nach der Rückstauschleife an den Privatkanal angeschlossen sind.
Aber Achtung: Eine Rückstausicherung durch eine Rückstauklappe ist sicherlich sinnvoll, schützt aber nur vor dem Wasser aus dem Kanal. Kommt Wasser etwa durch das Kellerfenster in den Keller, kann eine Rückstauschleife nichts ausrichten.
Durch starke Niederschläge kann der Grundwasserspiegel steigen. Ist der Keller nicht ausreichend abgedichtet, kann über die Kellerwände Wasser eindringen. Grundsätzlich sind allerdings die meisten Keller ohnehin durch ausreichenden Schutz vor eindringendem Nass geschützt. Wenn Keller überfluten, dann meist über Fenster und Türen.
Vorsorge gegen die Folgen von Starkregen kann jederzeit geleistet werden. Nachrüsten ist in vielen Fällen möglich und empfehlenswert. Das Best-Case-Szenario ist und bleibt jedoch, bereits beim Neubau auf die Sicherheitsmaßnahmen zu achten – besonders in hochwassergefährdeten Regionen.
Für genauere Informationen und Beratung können Sie sich an Ihren Installateur oder Fachkräfte der Fachplanung bzw. Geotechnik wenden. Letztere sind vor allem zur Beurteilung der Gefährdung durch Oberflächenwässer und Kanalrückstau zuständig. An die IKB können Sie sich vor allem bezüglich Ihres funktionierenden Entwässerungssystems wenden.
In unserer Broschüre zum Thema Starkregen haben wir eine Checkliste zusammengestellt. Diese hilft Ihnen dabei, einzuschätzen, wie gefährdet Ihr Gebäude im Fall von Hochwasser ist. Sie informiert Sie außerdem, an welche Stellen Sie sich bezüglich welcher Vorsichtsmaßnahmen wenden können. Auch von Seiten der Bundesregierung gibt es einen Leitfaden zum selben Zweck.
Erhöhtes Risiko besteht grundsätzlich unter anderem bei Gebäuden im Einzugsbereich von Sturzbächen oder Hochwasser. Sind in Ihrem Gebiet Schadensereignisse bekannt? Dann ist Ihr Eigenheim womöglich auch gefährdet.
Sollten Sie im Keller (unterhalb der Rückstauebene) Waschbecken, Waschmaschinen, Bodengullis, Toiletten oder ähnliches haben, empfiehlt sich ebenfalls, zu prüfen, inwiefern diese eine Gefahr für Rückstau darstellen, bzw. ob diese bereits gegen Rückstau gesichert sind. Außerdem können Sie sich darüber Gedanken machen, wie gut Wasser in Ihrer näheren Umgebung und auf Ihrem Grundstück im Boden versickern kann.
Vor allem in Städten stellen fehlende Kapazitäten der Kanalisation oftmals ein großes Problem dar. Manche Abwasserkanäle können aus bautechnischer und/oder wirtschaftlicher Sicht nicht zur Gänze auf die Folgen von Starkregenereignissen ausgelegt werden. Die IKB tut alles, um die Risiken so gut es geht einzudämmen und setzt u. a. auf folgende Maßnahmen, um die anfallenden Abwassermengen rasch aus dem Stadtgebiet zu befördern:
Damit sind Innsbrucks Gebäude bestmöglich vor den Konsequenzen von starken Niederschlägen geschützt und Schäden werden so gut es geht vermieden.